Main-Echo 06.02.2012: Ja, ist denn scho’ wieder Weihnachten?

Fasching: Vergnügliche Sitzung des Großostheimer Gesangvereins Concordia – Reden, Gardetanz, Ballett und Gesang

 

Die Mischung macht’s: Mit Büttenreden, Tänzen und Gesang haben die Narren des Gesangvereins Concordia am Freitag und Samstag die Jecken begeistert. Seit sieben Jahren strömen die Großostheimer an Fasching zur Concordia-Sitzung ins Pfarrheim, um ein paar vergnügliche Stunden zu erleben. Dennoch ist heuer »kein verflixtes siebtes Jahr«, wie Sitzungspräsident Manfred Diel klarstellt.

Schlagfertig und nie um einen Witz verlegen führt Diel mit seinem Komitee – Doris Schwartze, Birgit Rollmann, Thomas Göth und Jürgen Dippert – durch ein kurzweiliges Programm. Versteht sich von selbst, dass die Narrhalla brechend voll ist. Ein Glanzlicht im Reigen der großartigen Darbietungen setzten die erstmals auftretenden Jungen Tenöre Florian Hotz, Markus Mai und Maurice Koch – ein Augen- und Ohrenschmaus, da sie sich scheinbar schwerelos auf der Bühne bewegen und nicht mit ihren gesanglichen Qualitäten geizen.

Ein Meister in der Bütt’ ist Sangesbruder und Gottesmann Uwe Nimbler. Mit geschliffenen Versen nimmt der Pfarrer lokale Ereignisse aufs Korn: etwa die Sanierung der Bachstraße, einen autofreien Marktplatz oder die Pflaumheimer Ortsumgehung. »Die Gesamtbildung wird in Oustem großgeschriebe, es fehlt nur noch ein Gymnasium und eine Uni«, stellt der Geistliche fest. Gnadenlos beharkt er die Bundespolitiker, an der Spitze den Bundespräsidenten: »Er hat sich als Wulff im Schafspelz enttarnt.«

Als streitendes Ehepaar haben sie einen festen Platz im närrischen Geschehen des Gesangvereins: Erna und Werner Neumann. Die Gattin beklagt sich über ihren Mann im Unruhestand, er verteidigt sich vehement. Markus Göth, der 13 Jahre alte Nachwuchsstar in der Bütt’, hat Probleme mit der Pubertät. Seine Bitte »tut mich nicht so reize, wenn sich bei mir die Hormone spreize«, findet zustimmendes Nicken im Saal.

Herbert Jakob, Großostheims zweiter Bürgermeister, reizt die Lachmuskeln der Besucher als Silberhochzeiter und früherer Frauenheld. Johanna Kehrer bedauert die »Rentner-Lethargie« ihres Angetrauten. Mit lustigem Kauderwelsch aus Bayrisch, Hessisch und Englisch beweist die Mosbacherin Elisabeth Jörg, dass sie eine echte Närrin vom Scheitel bis zur Sohle ist. Der Alzenauer Gastredner Thorsten Gallus sonnt sich in seinem verblichenen Ruhm als schönster Mann im Freistaat.

Ein Gesangverein ohne Lieder, das gibt es nicht. Die Äistemer Bänkelsänger Gerhard Müller, Reinhard Klug, Robert Morhart, kurz ÄBS, haben genau hingeguckt, was sich in der Bachgaumetropole alles ereignet hat. Vor allem die bedauernswerten Pläumer bekommen ihr Fett weg: Die Homo Pläumensis sei als Art in ihrem Bestand bedroht, heißt es, was übertrieben scheint. Aber schließlich ist Fasenacht, da wird alles verziehen.

Die Singenden Karnevalisten der Concordia haben das Motto »Bauer sucht Frau« gewählt. »Mit diesem Auftritt könntet Ihr auch in den Oktoberfest-Hallen punkten«, lobt der Sitzungspräsident. Entertainer Daniel Fink bringt das Pfarrheim mit dem Ohrwurm »Ich bin der Schorsch aus Krotzeborsch« zum Beben.

Die Tanzvorführungen passen sich dem hohen Niveau der Veranstaltung an. Kerstin Trillingers Jugendgarde und die Tanzgarde (beide TV Wenigumstadt) begeistern mit zwei Gardetänzen. In der Weihnachtszeit zurückversetzt fühlten sich die Zuschauer beim Tanz der »All Stars« vom gleichen Verein. Die Tänzerinnen des Concordia-Frauenballetts bewegen sich zunächst anmutig in Putzfrauenkostümen, entpuppen sich dann als Doubles von Marilyn Monroe.

Die Concordia-Männer versetzen die Narren zurück in die Steinzeit. Die gestählten Turner vom TV Großostheim treten zum ersten Mal bei einer Concordia-Sitzung auf. Es ist weit nach Mitternacht, als die ersten Jecken den Heimweg antreten. Alleinunterhalter Wolfgang Böhnlein spielt noch bis in die frühen Morgenstunden zum Tanz auf. Wolfgang Schwarzkopf (Main-Echo 06.02.2012)

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